International

9.2.2010

Iran: Uran-Anreicherung mit Krebserkrankung gerechtfertigt

Im Uran-Streit wechselt der Iran jetzt die Taktik: Anstatt mit Drohungen rechtfertigt der Staat die Anreicherungspläne jetzt mit benötigten Strahlentherapien.

Präsident Ahmadinejad hat mit der Anreicherung auf iranischem Territorium angenfangen. Foto: AP

Teheran/Wien – Wie iranische Medien berichten, hat der Staat mit der Uran-Anreicherung auf eigenem Territorium begonnen. Teheran hat die geplante Uran-Anreicherung auf 20 Prozent damit begründet, dass zahlreiche Krebspatienten im Lande dringend einer Strahlungstherapie bedürften.

„Wenn der Brennstoff für den (Teheraner Forschungs-) Reaktor ausgeht, wird das für tausende iranische Patienten Folgen haben, die verzweifelt auf eine nuklearmedizinische Behandlung nach einer Operation warten“, erklärte Präsident Mahmoud Ahmadinejad am Sonntag nach Angaben des staatlichen Senders Press TV.

Bei einer Ausstellung über die neuesten Errungenschaft der iranischen Lasertechnologie in Teheran betonte Ahmadinejad, der Iran sei weiterhin willens, über eine Uran-Anreicherung für seinen Forschungsreaktor im Ausland zu verhandeln. Diesem gehe jedoch langsam aber sicher der Brennstoff aus.

Mit dieser Argumentation versucht die iranische Führung offenbar dem Westen zu unterstellen, den Tod iranischer Krebspatienten durch die Weigerung in Kauf zu nehmen, auf die Bedingungen der Islamischen Republik in Fragen der 20-prozentigen Uran-Anreicherung einzugehen.

Die iranischen Abgeordneten billigten unterdessen die Entscheidung von Präsident Ahmadinejad, Uran höher anzureichern. Dies sei eine „angemessene Antwort“ auf den wachsenden Druck des Westens, erklärten sie. Der einflussreiche Abgeordnete Hamid Resayi meinte, es habe „Gerüchte“ gegeben, Ahmadinejad habe bezüglich der Uran-Anreicherung westlichen Forderungen nachgegeben. „Glücklicherweise“ habe der Präsident durch seine Anordnung, Uran auf 20 Prozent anzureichern, die „bestmögliche Antwort“ auf diese Behauptungen gegeben.

Die Anreicherung von Uran-235 auf 20 Prozent wäre für den Iran ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur zumindest theoretisch möglichen Herstellung eines nuklearen Sprengsatzes.

Für eine Anreicherung auf 20 Prozent werden rund 2000 Zentrifugen und rund ein Jahr Zeit benötigt, für die Anreicherung von 20 auf für eine Atombombe benötigte 90 Prozent noch einmal 500 bis 1.000 Zentrifugen und ein halbes Jahr. Nach Angaben der iranischen Atomenergieagentur betreibt der Iran derzeit 6000 aktive Zentifugen. (APA)

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